in puncto dzb lesen - 01 / 2021

01 2021

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

als vor einem Jahr die erste Ausgabe 2020 unseres Magazins erschien, begann kurze Zeit später der erste Lockdown. Die Pandemie krempelte unser aller Leben vollkommen um und schuf eine Realität, die wir so nur aus Science fiction-Romanen kannten. Nach zwölf Monaten bleierner Zeit, die von Ängsten, Verunsicherungen und vor allem ohne soziale Nähe geprägt war, sehnen wir uns alle zurück nach einem normalen Leben. Wie unser Haus den pandemischen Herausforderungen gerecht geworden ist, dazu äußert sich in dieser Ausgabe Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Direktor des dzb lesen.

Mitten im Corona-Jahr ist im dzb lesen das taktile Bilderbuch „Florentins Reise“ erschienen, das mithilfe neuer Technologien und viel Engagement hergestellt wurde und nun das Angebot des dzb lesen an Kinderbüchern erweitert. Wir stellen Ihnen das Tastbilderbuch und dessen Autorin Alisa Semevskaya vor.

Ob es in der Fantasy-Saga „Der Hexer“, dieser mittelalterlichen, märchenhaften Welt der Zauberer, Monster und Dämonen, auch Pandemien gab? Finden Sie es heraus! Lesen Sie hier, was Sie über diese Saga wissen müssen und warum diese im dzb lesen als Fortsetzungsreihe erscheint. Vielleicht werden Sie ja ein Fantasy-Fan der Hexer-Saga.

Um Lautsprechersysteme für den PC geht es in unserer Technik-Rubrik und wie immer haben wir für Sie jede Menge Buchempfehlungen zusammengestellt. Ich wünsche Ihnen eine informative und unterhaltsame Lektüre!

Ihre Gabi Schulze
Redakteurin „in puncto dzb lesen“

Im Fokus

Am Anfang stand ein tastbares Wimmelbild

Was als gemeinsames Projekt von Studierenden der Kunstpädagogik der Universität Leipzig und dem dzb lesen begann, liegt nun als taktiles Bilderbuch gedruckt und gebunden vor. Wir haben für Sie den Weg von „Florentins Reise“ von der Idee an bis zum Druck des fertigen Buches begleitet und die Autorin Alisa Semevskaya nach dessen Entstehungsgeschichte gefragt. Ein Beitrag von Gabi Schulze

Ein Buch lebt lange, bevor es erschienen ist. Es braucht Zeit bis es gedruckt ist, die Farben und der Leim getrocknet, die losen Druckbögen zusammengetragen und gebunden sind. Am Anfang aber steht immer eine Idee, die als Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln zum Leben erweckt wird.
So auch bei „Florentins Reise“, einem taktilen Bilderbuch für Kinder ab drei Jahren, das im Herbst letzten Jahres im dzb lesen erschienen ist. Es erzählt von einem Floh, dem langweilig ist und der deshalb die Welt auf Omas Bauernhof erkundet. Er hüpft in das Ohr einer Katze, in das Federkleid eines Vogels, schlüpft in das Fell eines Schafes und setzt sich in Opas Bart. Am Ende berichtet er den anderen Flöhen stolz, was er erlebt hat.
Die Idee zum Text und zur Gestaltung stammt von Alisa Semevskaya. Sie ist Kunstpädagogik-Studentin an der Universität Leipzig im 5. Semester. In Sankt Petersburg geboren und mit acht Jahren nach Deutschland gekommen, studierte sie zunächst an der Humboldt-Universität in Berlin Kunstgeschichte, Slawische Sprachen und Literatur und wechselte nach dem dritten Semester zu außerschulischer Kunstpädagogik nach Leipzig. Sie wollte selbst kreativer sein und andere dazu ermuntern: „Ich bin der festen Überzeugung, dass kreatives Schaffen jedem Menschen gut tut, egal welchen Alters und welcher Begabung. Ganz besonders wichtig ist es für Kinder“, so die Studentin.

Motivierte Studierende und viele Entwürfe

Es begann im Sommersemester 2018. Alisa Semevskaya und die anderen Studierenden behandelten im Seminar das Konzept der Collage als künstlerisches Mittel. Ihre Aufgabe war es, ein taktiles Buch für blinde Kinder zu entwerfen. Ein ambitioniertes Vorhaben! Um Einblick in die Thematik zu erhalten, organisierte die Seminarleiterin Lena Schrieb für ihre Studierenden eine Führung durch die Produktionsräume des dzb lesen. Hier erfuhren diese, wie Bücher in Brailleschrift und taktile Bilder entstehen. Als die Verlagsleiterin Manuela Pohle und die Kommunikationsdesignerin Antje Mönnig von dem Projekt der künftigen Kunstpädagogen erfuhren, zeigten sie sich sofort begeistert und eine Kooperation zwischen Universität Leipzig und dem dzb lesen entstand. „Einige Studierende hatten Entwürfe ihrer Multimaterialbücher dabei und die Mitarbeiterinnen der Relieftechnik erkannten deren Potenzial. Aus diesem Grund haben wir wegen einer Kooperation angefragt“, erzählt die Verlagsleiterin Manuela Pohle, die sich kreative Ideen seitens der Studierenden wünschte und nicht enttäuscht wurde. Die Aussicht, ein taktiles Kinderbuch zu entwerfen, das letztendlich auch produziert wird, motivierte die Studentinnen und Studenten. So beschäftigten sie sich mit relieftechnischen Gestaltungsweisen und Produktionsverfahren im dzb lesen. Am Ende des Projektes legten sie ganz unterschiedliche und fantasievolle Entwürfe für taktile Kinderbücher vor. Ein Entwurf stach besonders hervor.

Auf der Suche nach dem Floh

Alisa Semevskayas Geschichte überzeugte in ihrer Einfachheit. „Die Suche nach dem Floh motiviert, verschiedene Materialien mit den Fingern zu erkunden ohne komplexe Formen zu ertasten. Das hat uns gut gefallen“, meint Antje Mönnig.
Aber auch die gestalterische Umsetzung entsprach den Vorstellungen des Verlages. „Da ich erfahren hatte, dass die Buchproduktion für blinde und sehbehinderte Menschen sehr aufwändig und dementsprechend sehr teuer ist, habe ich ein Buch gestaltet, das sich relativ einfach herstellen lässt“, meint Alisa Semevskaya.
Die Geschichte des Flohs fiel ihr gemeinsam mit einem guten Freund ein. Während eines Telefonats dachten beide über ein tastbares Wimmelbild nach. Ein Floh ist klein und kaum sichtbar. Dieser sollte gesucht werden. „Wir wollten möglichst viele verschiedene Oberflächen haben, damit das Raten spannend bleibt. So kam uns die Idee einer Reise, die dem Leser mehr haptische Erfahrungen ermöglicht“, erzählt die Autorin, die dann mit der Umsetzung der Geschichte zunächst doch etwas überfordert war. „Auf der Suche nach Ideen ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie anders blinde Menschen die Welt wahrnehmen. Ich habe verschiedene Materialien gesammelt und befühlt“, erzählt Alisa Semevskaya. „Dabei habe ich versucht, Assoziationen herzustellen. Zur Inspiration habe ich mir andere Mitmach-Bücher angesehen.“

Neue Wege in der Produktion des Kinderbuches

Zwischen dem Prototyp des Buches und dem jetzt erschienenen taktilen Kinderbuch war natürlich noch einiges an Weg zu gehen. Antje Mönnig entwickelte das Layout gemeinsam mit der Studentin weiter, fügte noch zwei weitere Motive hinzu, überarbeitete den Text und wählte passende Materialien aus. Ohne kompetente Fachkräfte innerhalb und Partner außerhalb des Hauses, die für Neues offen waren, wäre die Produktion dieses Kinderbuches nicht möglich gewesen. Neue Wege ging man beispielsweise mit einem kontrastreichen Farbdruck in Kombination mit der klassischen Prägung der Brailleschrift. Eine große Herausforderung war, das Papier und alle Materialien für die taktilen Bilder so zu verarbeiten, dass ein langlebiges und liebevoll gestaltetes Buch entsteht.
Mit diesem taktilen Bilderbuch hat sich Alisa Semevskaya einen Wunsch erfüllt, aber auch blinden und sehbehinderten Kindern ein Buch geschenkt, das Lust auf mehr Geschichten macht.
Zurzeit renoviert Alisa Semevskaya ein Atelier, das sie mit anderen Künstlerinnen und Künstlern gemietet hat. Für die Zukunft hat sie schon viele Ideen. Wir sind gespannt!

Alisa Semevskaya: Florentins Reise, Braille-Vollschrift und Großdruck, 8 taktile Illustrationen, Ausleihe 19460, Verkauf 10631, 29,90 Euro

Die Hexer-Saga im Abonnement

Sie haben gespannt das Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin gelesen? Jetzt wird das dzb lesen die Fantasy-Saga „Der Hexer“ von Andrzej Sapkowski in Braille-Kurzschrift übertragen. Alle Fans der Saga können die fünf Romane ab Juni 2021 im Abonnement lesen. Die Fortsetzungsreihe erscheint wöchentlich. Begonnen wird mit „Das Erbe der Elfen“, dem ersten Band der Pentalogie. Schon jetzt können Sie sich ein Jahresabonnement (59 Euro) sichern. Melden Sie sich einfach per Mail abo@dzblesen.de oder telefonisch unter 0341 7113 120 an.

Wer noch nichts von der Hexer-Saga gehört hat, bekommt im Folgenden einen kurzen Überblick.

Was Sie über „Die Hexer-Saga“ wissen müssen

Die Ausgaben

Im Zentrum der Abenteuer steht der Hexer Geralt von Riva. Die eigentliche Saga ist eine Pentalogie („Das Erbe der Elfen“, „Die Zeit der Verachtung“, „Feuertaufe“, „Der Schwalbenturm“, „Die Dame vom See“). Des Weiteren gibt es zwei vor der Pentalogie spielende Kurzgeschichtenbände über Geralt („Der letzte Wunsch“, „Das Schwert der Vorsehung“) sowie den in sich abgeschlossenen Einzelband „Zeit des Sturms“. Im Kurzgeschichtenband „Etwas endet, etwas beginnt“ sind zwei weitere Geralt-Geschichten enthalten.

Der Autor

Die Hexer-Saga ist eine Reihe von Büchern des polnischen Fantasy-Autors Andrzej Sapkowski, die auf mitteleuropäischen Märchen und speziell slawischen Legenden beruht. Der 1948 in Łódź geborene Sapkowski war eigentlich Handelsvertreter, bevor er 1985 an einem Kurzgeschichtenwettbewerb teilnahm und sich dabei von einer alten polnischen Sage über einen Drachentöter inspirieren ließ.

Die Handlung

Die Saga erzählt die Abenteuer des Geralt von Riva, der in jungen Jahren durch eine schmerzhafte Prozedur in einen Hexer gewandelt wurde. Sein Schicksal bringt ihn immer wieder mit der Fürstentochter von Cintra namens Ciri zusammen, und nach dem Tod ihrer Familie nimmt er sie in seine Obhut und liebt sie, als wenn sie seine eigene Tochter wäre. Später werden beide durch Ereignisse, in die sowohl Zauberer als auch die Herrscher mehrerer Reiche verwickelt sind, wieder getrennt. Der größte Teil der Geralt-Saga handelt von den Abenteuern, die der Hexer auf der Suche nach Ciri und bei ihrer Rettung besteht.

Die Welt des Geralt

Sie besteht aus Königreichen, Fürstentümern und dem dunklen Kaiserreich Nilfgaard. Bevölkert wird dieser Kosmos von Menschen und Anderlingen wie Zwergen, Elfen oder Halblingen. Aber auch Dämonen treiben hier ihr Unwesen. Diese Monster zu jagen, ist die Berufung der Hexer – einer kleinen Gruppe von Mutanten, die über umfangreiches Wissen in der Heil- und Kräuterkunde verfügen. Wegen ihres Andersseins von den Menschen gefürchtet, sind es doch die Hexer, die das Böse in Schach halten.

Eine Welt, „in der Menschen oft boshafter sind als Biester“

Karsten Sachse, Lektor im dzb lesen, über die Hexer-Saga und warum sie als Fortsetzungsroman im Abonnement erscheint.

Was macht eigentlich einen richtig guten Fantasy-Roman aus?

Dazu sind die Meinungen sicher individuell verschieden. In einer fiktiven Welt treten Lebewesen oder Kräfte auf, die mittels märchenhafter und magischer Elemente oder Fertigkeiten in die Gesetzmäßigkeiten der Natur eingreifen und sie in ihrem Sinne beeinflussen können. Für mich ist dabei wichtig, was auch einen guten Roman ausmacht: ein interessanter Plot, spannende Konstellationen mit glaubwürdigen Charakteren, Nachvollziehbarkeit, eine gewisse bildliche Plastizität. Andererseits ist die Möglichkeit der Wirklichkeitsflucht erwähnenswert, die ein Ausspannen gerade abseits realer Probleme ermöglicht.

Das Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ erschien in den vergangenen Jahren als Fortsetzungsreihe im dzb lesen. Aus welchen Gründen folgt nun die Hexer-Saga im Abonnement?

Ursprünglich war die Geralt-Saga hauptsächlich Insidern bekannt. Das änderte sich 2007, als das polnische Entwicklerstudio CD Projekt RED ein Action-Rollenspiel „The Witcher“ (deutsch: „Der Hexer“) für PC herausbrachte, das auf Sapkowskis Roman-Reihe basiert. Weltweiter Erfolg führte in den Folgejahren zu zwei ebenfalls sehr erfolgreichen Spielfortsetzungen, die wahrscheinlich den Streaming-Anbieter Netflix auf die literarische Vorlage aufmerksam machten. Spätestens seitdem im Dezember 2019 die acht Folgen der ersten Staffel von „The Witcher“ Premiere hatten, ist die Geschichte in der Öffentlichkeit angekommen, zumal Netflix bereits eine zweite Staffel angekündigt hat.
Für Aufmerksamkeit und Interesse sollte also gesorgt sein. Bleibt noch die Angebotsform. Die Saga umfasst fünf Bände, dazu gesellen sich 3 Bände mit Vorgeschichten und ein weiterer Erzählungsband, der zwei Geschichten aus der Welt Geralts enthält. Wir haben also etwa 2500 Seiten Hauptgeschichte zuzüglich ca. 1500 Seiten Nebengeschichten. Das ergibt in Braille über 20 Bände - eine Menge „Holz“, die sich schon aus Platzgründen kaum jemand kaufen wird. Bleibt die Ausleihe in der Bibliothek. Angesichts der hohen Bandanzahl und langer Ausleihfristen dürfte es schwierig werden, einen höheren Bedarf kontinuierlich zu bedienen, zumal die Anzahl der Staffelexemplare in der Bibliothek begrenzt ist. Wir haben demnach eine ähnliche Situation wie beim „Lied von Eis und Feuer“.

Was meinen Sie, warum sollte man die Hexer-Saga unbedingt lesen? Was beeindruckt Sie daran?

Unbedingt sollte man nicht. Wenn man sich allerdings für Fantasy interessiert und gute Geschichten wie unter 1. beschrieben mag, sollte man. Der in einem langwierigen, schmerzhaften und oft auch tödlichen Prozess mutierte Monsterjäger folgt seiner Bestimmung in einer Welt, in der Menschen oft boshafter sind als Biester. Es gibt jede Menge Monster und Kreaturen, Geralt hat also reichlich zu tun. Trotzdem ist er quasi ein Outlaw. Die Menschen, denen er hilft, verachten ihn häufig. Sie fühlen sich von seiner Andersartigkeit abgestoßen und fürchten seine besonderen Fähigkeiten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Kampf der „alten Völker“ (Elfen, Zwerge etc.) gegen Unterdrückung und Verdrängung durch die Menschen. Und schließlich führt die Handlung in eine mittelalterliche Welt voller Ränkespiele, politischer Intrigen und kriegerischer Auseinandersetzungen. Geralt kann sich entgegen seinen Grundsätzen nicht immer heraushalten, seine Entscheidungen haben Folgen. Übrigens auch in Liebesdingen. Gerald hat eine große Liebe und zahlreiche Affären. Bildhafte Beschreibungen und parodistische Elemente tragen zudem zur Auflockerung bei.

Bitte verraten Sie uns zum Abschluss noch, wer für Sie der beste Fantasy-Schriftsteller aller Zeiten ist.

Hier kann ich mich nicht auf einen Namen festlegen und will mehrere nennen, die alle auch in unseren Katalogen auftauchen: Philip José Farmer, Markus Heitz, Bernhard Hennen, George R. R. Martin, Andrzej Sapkowski, J. R. R. Tolkien, Tad Williams.

Vielen Dank!

Kurz gemeldet

Unsere Türen stehen offen: vor Ort!

2020 fiel er aus. 2021 nun soll er stattfinden: unser Tag der offenen Tür. Wir wagen es und laden am 11. September von 10 bis 16 Uhr in das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen ein. Unsere Gäste können hinter die Kulissen unseres Hauses schauen. Sie erleben, wie Braille- bzw. Hörbücher entstehen und wie taktile Kinderbücher, Kalender sowie Atlanten hergestellt werden. Geplant sind ein abwechlungsreiches Programm mit Führungen, ein Flohmarkt und Mitmach-Aktionen für Jung und Alt. Wir werden Sie über unsere Kanäle zum Stand der Veranstaltung informieren.

Willkommen zum Technik-Stammtisch

Der Technik-Stammtisch unseres Beratungsdienstes LOUIS findet jeden 3. Mittwoch im Monat statt. So lange Präsenzveranstaltungen nicht möglich sind, wird er als Telefonkonferenz durchgeführt. Im Wesentlichen geht es um Themen rund um Smartphone, Tablet und Co. Der Stammtisch ist für alle offen, jeder kann Fragen stellen und eigene Themen einbringen.

Interessenten, die in den Mailverteiler für die Einladungen oder die Whats App-Gruppe aufgenommen werden möchten, wenden sich bitte an: Erol Sakinc, e.sakinc@dzblesen.de oder 0341 7113179.

Interview

Ein außergewöhnliches Jahr: ein Blick zurück und auch nach vorn

Im Folgenden gibt der Direktor des dzb lesen, Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Auskunft über die Herausforderungen, vor denen das Zentrum im Corona-Jahr stand, über neue Aufgaben und seine persönlichen Wünsche für das Jahr 2021.

Wie sehen Sie als Direktor des dzb lesen das Jahr 2020? Wie ist Ihr Haus bisher durch die Corona-Pandemie gekommen?

2020 war ein besonderes Jahr für uns alle. Als Anfang März der erste Lockdown drohte, standen wir vor der Entscheidung, Lösungen zu finden, die das Haus arbeitsfähig halten, den Nutzerservice gewährleisten und die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten treffen. Sehr früh entschieden wir uns, durch die Beschaffung mobiler Computertechnik einen großen Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Im Haus verblieb ein Kern von Fachleuten, der die Produktion aufrechterhielt und die wesentlichen Dienstleistungen abdeckte. Dabei zeigten sich alle Teams in den Fachbereichen sehr kreativ und engagiert, nach Lösungen zu suchen, die ein weitestgehend reibungsloses Arbeiten ermöglichten. So ist es gelungen, ohne Unterbrechungen den Leserinnen und Lesern ihre Literatur bereitzustellen und in der Produktion dafür zu sorgen, dass neue Werke übertragen und aufgesprochen werden konnten. In Zahlen heißt das, dass wir über 237.000 Ausleihen im letzten Jahr realisierten und jetzt ca. 80.000 Werke in Brailleschrift und als Hörbuch zur Verfügung stehen. 297 Werke wurden in Braille produziert und unsere Sprecherinnen und Sprecher lasen 220 Bücher in unseren Studios auf. Dazu kommen über 70 neue Bücher im Format Großdruck, die bei uns aktuell zum Verkauf angeboten werden.

Welche wichtigen Themen wurden 2020 bearbeitet? Was waren Erfolgsprojekte in 2020?

Wie bereits erwähnt, haben wir mit dem Aufbau eines Angebotes an Großdruckliteratur für junge und erwachsene Leserinnen und Leser begonnen. Dieses Angebot werden wir in den kommenden Jahren ausbauen. Aufgrund der seit 2019 geltenden Regelungen im Deutschen Urheberrecht können unsere Hörerinnen und Hörer kommerzielle Hörbücher in unserer Bibliothek ausleihen, die wir vorher als Daisy-Fassung barrierefrei gestalten. Auch in diesem Bereich arbeiten wir mit den anderen Medibus-Bibliotheken zusammen, so dass sich das Angebot schnell erweitern wird. Bei Hörfilmen ist es nicht immer gelungen, zeitnah aktuelle Produktionen von den Fernsehanstalten zu bekommen. An dem Thema bleiben wir dran und hoffen, zukünftig wieder mehr Hörfilme ins Angebot zu bringen. Auf großes Interesse stieß bei den Schulen und Förderzentren für blinde Schülerinnen und Schüler ein Angebot der Lego Stiftung, das das spielerische Erlernen der Brailleschrift mithilfe von Lego Braille-Steinen ermöglicht. Das dzb lesen ist Partner der Lego Stiftung und organisiert die Verteilung der Lego-Boxen. Über 1.000 Boxen fanden bislang ihren Weg zu begeisterten Lego-Freunden, die sich spielerisch mit dem Braille-Alphabet beschäftigen wollen.

Welche wichtigen Aufgaben stehen 2021 für das Zentrum an?

In diesem Jahr wird unser Web-Shop an den Start gehen. Produkte unseres Verlages werden dann online zu bestellen sein und wir versprechen uns davon natürlich gerade in Zeiten der Corona-Pandemie einen besseren Absatz unserer Erzeugnisse wie Bücher, Kalender, Atlanten und Grußkarten. Nach Fertigstellung unseres Web-Shops werden wir schrittweise den Verleih von Großdrucktiteln und die Braille-Ausleihe in unser Bibliothekssystem integrieren.

Noch in dieser Legislaturperiode wird die Bundesregierung ein Barrierefreiheits-Gesetz für digitale Dienstleistungen beschließen. Im Rahmen dieses Gesetzes werden Verlage und Online-Händler sowie die Hersteller von E-Book-Readern verpflichtet, E-Books in barrierefreier Form anzubieten. Auch wenn diese gesetzlichen Regelungen erst ab 2025 greifen, so sind wir bereits im letzten Jahr zusammen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestartet, um in einer Kooperation langfristig die Verlagswelt zu unterstützen, dieses Vorhaben umzusetzen.

Ich freue mich über den Fortschritt, den wir in einem vom Daisy Konsortium finanzierten Projekt erzielen, unsere Notenübertragungswerkzeuge für internationale Bibliotheken für blinde und sehbehinderte Musikerinnen und Musiker nachnutzbar zu machen.
Spannend ist auch, wie unsere Hörerinnen und Hörer die zweite Version des Sprachassistenzangebotes finden werden. In Kürze wird für angemeldete Nutzerinnen und Nutzer Gelegenheit sein, über Alexa im Katalog zu recherchieren und ein Hörbuch oder einen Hörfilm zu entleihen, abzuspielen oder zurückzugeben.

Welche persönlichen Wünsche haben Sie für 2021?

Ich wünsche mir, dass die Belegschaft des dzb lesen weiterhin ohne Erkrankungen durch die Pandemie kommt und wir bald wieder unter Leute gehen können. Toll wäre es, wenn wir, wie derzeit vorgesehen, am 11. September zu unseren Tag der offenen Tür einladen dürfen und zahlreiche Besucherinnen und Besucher nach Leipzig kommen.

Vielen Dank, Prof. Dr. Thomas Kahlisch!

Lieblingsbücher 2020

Oktopusse und Korallenriffe

Unter ihren Fingern gehen viele Bücher im Jahr hindurch – die Korrekturleserinnen und -leser im dzb lesen müssen sowohl die Regeln der deutschen Rechtschreibung als auch die Systematik der Brailleschrift aus dem Effeff kennen. Mit ihrer Arbeit sichern sie die Qualität der Brailleschriftbücher. Wir haben zwei von ihnen gefragt, welches der vielen Bücher, die sie 2020 korrigiert haben, ihnen besonders gefallen hat. Hier ist das Ergebnis:

„Netzwerk Korallenriff“ und „Das 6. Sterben“

Helmut Matys, Korrekturleser im dzb lesen, hat im letzten Jahr mehrere Bücher zur Thematik „Korallenriffe“ Korrektur gelesen und empfiehlt im Folgenden zwei Bücher:

Vorstellen möchte ich Ihnen das 2017 erschienene und 2020 in Brailleschrift übertragene Buch von Heinz Krimmer „Netzwerk Korallenriff: wertvoller als Google, Apple und Co.“ Der Autor beschreibt in seinem populärwissenschaftlichen Buch die Entstehung und Erforschung dieser Unterwasserwelt; bereist einige Riffe und stellt uns deren Bewohner und ihre Überlebensstrategien vor, denn auch in „Nemos“ Welt gilt der Grundsatz „Fressen und gefressen werden“.

Der Autor beschreibt die Wichtigkeit der Riffe als Lebensraum, Küstenschutz, Rohstofflieferant, Urlaubsziel sowie für die Forschung (Medikamente). Er erklärt anschaulich die Folgen des Klimawandels. Das Buch ist eine Bestandsaufnahme, eine Mahnung, ein Hilferuf an alle, diese und andere Naturschätze zu erhalten. Es besteht noch Hoffnung, dass dies gelingen könnte, wenn … wenn man den Klimawandel stoppt.

Zu diesem Thema empfehle ich auch das im dzb lesen übertragene Buch „Das 6. Sterben – Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt“"vonwww.weltbild.de/suche Elizabeth Kolbert. Über Jahrmillionen hat die Erde nahezu perfekte Ökosysteme entwickelt. Der Mensch hat diese jedoch in den knapp 300 Jahren Industrieller Revolution an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Es ist ein ungeahntes Artensterben im Gange.

Beide Bücher sind eine gute Ergänzung zum Reliefkalender 2021 „Am Korallenriff“.

Heinz Krimmer: Netzwerk Korallenriff: wertvoller als Google, Apple und Co.
3 Bände, Kurzschrift, Ausleihe 19456, Verkauf 10655, 36 Euro

Elizabeth Kolbert: Das 6. Sterben: Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt.
4 Bände, Kurzschrift, Ausleihe 18319, Verkauf 8829, 56 Euro

Sy Montgomery: Rendezvous mit einem Oktopus

Auch das zweite Braillebuch, das die Korrekturleserin Kathrin Gießner vorstellt, ist ein Sachbuch und hat das Leben im Meer zum Thema:

In diesem Buch wird eindrucksvoll und auf berührende Art und Weise das Leben und die Entwicklung der Oktopusse beschrieben. Was können diese Tiere leisten, wie leben die Tiere in Gefangenschaft, wie in freier Wildbahn. Wussten Sie, dass Oktopusse sehr intelligente Tiere sind? Sie können beispielsweise Schraubgläser öffnen, ihre Farbe ihren Gefühlsregungen anpassen und die Emotionen von Menschen erkennen.

Das Buch ist auch für Leserinnen und Leser interessant, die sich für das Tauchen als Sport und die Forschungsarbeit im Meer begeistern können.

Das Buch erscheint demnächst im März 2021!

Buchpatenschaft

Ein engagierter Hörer ist Wahlpate

Ein Beitrag von Claudia Preuß (Förderverein des dzb lesen)

Dr. Peter Hawe - seit über 20 Jahren treuer Hörer im dzb lesen – schwärmt von Leipzig, aber nur weil das dzb lesen hier seinen Sitz hat. Das ist für Dr. Hawe die wichtigste und liebenswürdigste Institution dieser Stadt. Ursprünglich stammt er aus Traunstein, einer kleinen Stadt in Bayern, in der Nähe von „da wo der Papst herkommt …! Aber das ist nicht wichtig, dafür kann ich nichts“, sagt er. Dr. Peter Hawe schert sich nicht um kirchliche Traditionen und Machtstrukturen. Er ist ein Mensch des Fortschritts und der Wissbegierde. Er liebt die konträren Ehrlichen, die hinterfragen und zweifeln, die, die mit offenen Augen ihrer Zeit voraus sind, die, die menschlich agieren und die, die kompromisslos pazifistisch Handeln.

Und weil es ihm am Herzen liegt, gesellschaftskritische und wertvolle Literatur zu verbreiten, wird der vor 20 Jahren erblindete Arzt Wahlpate und fördert das Buch „Der Abgrund“ von Oskar Maria Graf mit einer äußerst bemerkenswerten Summe. Er lässt diesen Roman als DAISY-Hörbuch übertragen. Der Autor schreibt in seinem Buch über eine Phase unmittelbar erlebter Zeitgeschichte. Er schreibt vom „Sturz Deutschlands ins Bodenlose!“ (Jean Amery). Er schreibt vom Vorabend der Machtergreifung Adolf Hitlers und gibt Einblicke in das skrupellose Vorgehen der SA gegen SPD-Mitglieder in München. Oskar Maria Graf entwickelt spannende Protagonisten, die Teils autobiografische Züge vorweisen und im NS-Regime Widerstand leisten. Der Zeitroman erscheint, während der Autor im Exil lebt.
Fast alle seine Werke standen auf der „Schwarzen Liste“ zur „Säuberung der Volksbüchereien“. Als er durch eine Meldung im Berliner „Börsen-Curier“ den Eindruck gewann, dass seine Bücher nicht der Bücherverbrennung durch die Nazis 1933 zum Opfer gefallen sind, veröffentlichte er am 12. Mai 1933 in der Wiener Arbeiter-Zeitung den Artikel „Verbrennt mich!“.

Durch diese Wahlpatenschaft können auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, diesen interessanten und fesselnden Roman in unserer Bibliothek ausleihen. Wir danken Dr. Peter Hawe sehr für sein Engagement!
Der Förderverein hat mit dem Projekt der Buchpatenschaften die Möglichkeit geschaffen, Bücher mittels einer Patenschaft zu übertragen. Die Patenschaft ist eine Buchspende für alle blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland – anders gesagt, es ist eine besonders wohltätige Geste. Besonders wohltätig ist eine Wahlpatenschaft. Sollten Sie auch ein Buch lieben, welches Sie weitergeben möchten, dann kontaktieren Sie uns. Gerne beraten wir Sie unter der Telefonnummer 0341 7113-146.

Weitere Informationen: www.buch-patenschaft.de
Oskar Maria Graf: Der Abgrund, DAISY-CD (17:36 h), Ausleihe 51839

Vorgestellt

Die Mitglieder des Verwaltungsrates des dzb lesen

Der Verwaltungsrat überwacht und berät die Geschäftsführung des dzb lesen und ist in Entscheidungen des Hauses von grundlegender Bedeutung eingebunden. Wer sind seine Mitglieder und in welchen Bereichen arbeiten sie? In dieser und den kommenden Ausgaben stellen wir sie vor.

Susanne Metz

Direktorin der Leipziger Städtischen Bibliotheken

Als Direktorin der Leipziger Städtischen Bibliotheken haben Sie eine Menge zu verwalten und organisieren. Was alles gehört zu Ihrem Arbeitsbereich?

Die Leipziger Städtischen Bibliotheken (LSB) bestehen aus der Leipziger Stadtbibliothek, 15 Stadtteilbibliotheken, einer Fahrbibliothek sowie einer Online-Bibliothek. Das gesamte Team aus rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tut alles dafür, die Bedarfe aktueller und künftiger Bibliotheksnutzerinnen und Bibliotheksnutzer zu erfüllen. In normalen Jahren suchen unsere Standorte rund 1,2 Mio. Menschen auf, die etwa 5 Mio. Medien ausleihen, Veranstaltungen besuchen oder in unseren Räumen arbeiten, lernen, spielen – alleine oder gemeinsam mit anderen. Als Direktorin der LSB bin ich dafür verantwortlich, dass das alles funktioniert, dass wir uns inhaltlich weiterentwickeln, unsere Netzwerke ausbauen, am Puls der Zeit und damit an den Wünschen und Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger sind. Außerdem sind wir ein Amt der Stadt Leipzig und somit eingebunden in allgemeine Verwaltungsabläufe, die Ratsarbeit, städtische Projekte usw. Nur gut, dass ich das nicht alles allein stemmen muss! Vieles ist Teamarbeit. Und zu meiner großen Freude darf ich mit vielen sehr guten Fachleuten und kreativen Köpfen zusammenarbeiten. Kurzum: ich habe das Glück, einen sehr abwechslungsreichen Aufgabenbereich zu haben und mit vielen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Natürlich gibt es viele nüchterne, organisatorische Aufgaben, aber eben auch die Möglichkeit, kreativ und innovativ sein zu können.

Sie sind seit 2013 Direktorin der LBS. Wenn Sie zurückblicken, auf welche Neuerungen sind Sie besonders stolz?

Dass es uns in den letzten Jahren schon sehr gut gelungen ist, unsere Bibliotheken als sogenannte Dritte Orte in der Stadtgesellschaft zu platzieren. Also Orte, die weder das eigene Zuhause noch der Arbeitsplatz sind, an denen man sich ungezwungen mit anderen Treffen und austauschen kann. Wir haben es geschafft, die Bibliotheken zu mehr als reine Ausleihstationen zu machen, zum Beispiel durch den Ausbau von Veranstaltungen zu vielen unterschiedlichen Themen und für viele unterschiedliche Zielgruppen. Natürlich sind wir noch nicht in allen Standorten gleich weit, weil die räumlichen Voraussetzungen und Personalressourcen nicht überall gleich sind. Aber die Idee unseres 2020 eingerichteten LeipzigZimmers hoffen wir Schritt für Schritt auf immer mehr Standorte ausweiten zu können.

Auf ein zweites Thema schaue ich auch durchaus mit Freude – Digitalisierung. Das umfasst unsere vielen digitalen Medienangebote, die sich nicht zuletzt in den Lockdowns als noch wertvoller erwiesen haben. Dazu gehören die digitalen Serviceangebote wie die Online-Anmeldung und –Bezahlung oder auch unsere medienpädagogischen Vermittlungsangebote zum Umgang mit digitalen Medien und Technik.

Warum arbeiten Sie im Verwaltungsrat des dzb lesen mit?

Das dzb lesen ist als Landeseinrichtung mit Sitz in Leipzig ein langjähriger Kooperationspartner der LSB, mit dem wir und auch ich persönlich schon viele Veranstaltungen gemeinsam durchgeführt haben. Darüber hinaus habe ich seit Beginn meiner Berufstätigkeit als Leiterin der Zentralbibliothek Köln eine Verbindung zu den Themen des dzb lesen. In meiner Kölner Zeit wurde die Kölner Blindenbibliothek in die Zentralbibliothek integriert und ich habe viel dazu lernen dürfen und war stets beeindruckt von der Arbeit meiner Kolleginnen. Insofern bin ich der Anfrage von Prof. Dr. Kahlisch, ob ich mir eine Mitarbeit im Gremien vorstellen könnte, sehr gerne nachgekommen.

Barbara Albers

Referentin des Sächsischen Staatsministeriums für Finanzen

Sie arbeiten im Sächsischen Staatsministerium für Finanzen. Welche Aufgaben als Referentin haben Sie?

Ich bin in der Vermögensabteilung, genauer im Bereich der Beteiligungsverwaltung tätig. Besitzt der Freistaat Sachsen Anteile an Unternehmen (wie z. B. bei der Sächsischen Porzellan Manufaktur Meißen GmbH), dann nimmt die Beteiligungsverwaltung die Rechte des Freistaates wahr. Das geschieht hauptsächlich in den Gesellschafterversammlungen. Hier wird zum Beispiel der Jahresabschluss des Unternehmens festgelegt oder ein neuer Geschäftsführer bestellt. Zudem bereite ich für den jeweiligen Minister, Amtschef oder Abteilungsleiter im Finanzministerium die Tagesordnungspunkte der Aufsichtsratssitzungen vor. Ich entwerfe Anstellungsverträge für Geschäftsführer, werte Quartalsberichte und Jahresabschlüsse der Unternehmen aus, bereite die Auszahlung von Zuschüssen oder Darlehen an die Unternehmen vor oder wirke mit an der Auswahl neuer Geschäftsführer.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf? Und was wollten Sie immer mal werden?

Wie aus der Aufzählung zur ersten Frage ersichtlich, ist der Beruf äußerst abwechslungsreich. Man weiß eigentlich nie genau, welche Aufgaben einen am nächsten Tag erwarten. Die Beteiligungsverwaltung begleitet das Schicksal der Unternehmen des Freistaates sehr eng. Es gibt Zeiten, in denen alles im Wesentlichen gut läuft, aber es gibt auch unerwartete Krisen wie die derzeitige Corona-Krise, die auch viele Unternehmen des Freistaates sehr stark belastet.

In meiner Jugend hatte ich den nicht sehr realistischen Wunschberuf „Meeresbiologe“, da ich eine große Affinität für das Meer sowie für jede Art von Meeresgetier habe (allerdings nicht unbedingt auf dem Teller).

Im Verwaltungsrat des dzb lesen kontrollieren Sie, ob die finanziellen Mittel des Freistaates für das Zentrum auch richtig eingesetzt und verwendet werden. Wie sieht Ihre Arbeit im Verwaltungsrat aus?

Wie auch im Finanzministerium liegt der Schwerpunkt meiner Tätigkeit im Bereich der Unternehmensfinanzen. Ich prüfe insbesondere die wirtschaftliche Berichterstattung des dzb lesen in Form von Quartalsberichten sowie die Jahresabschlüsse und die jeweiligen Zielvereinbarungen für das kommende Geschäftsjahr. Beim Jahresabschluss achte ich besonders darauf, ob der Wirtschaftsprüfer Feststellungen in Bezug auf die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung getroffen hat und ob es insoweit Handlungsbedarf gibt.

Was meinen Sie, macht Geld glücklich?

Wenn die Grundbedürfnisse des täglichen Lebens durch das Einkommen abgesichert sind, erhöht dies zumindest die Wahrscheinlichkeit für ein glückliches Leben. Letztlich sind dafür jedoch noch viele andere Dinge, insbesondere die Beziehungen zu unseren Mitmenschen, die Gesundheit, die Zufriedenheit mit der Arbeit etc. mitbestimmend. Geld spielt aus meiner Sicht für das Glücklich-Sein eher eine untergeordnete Rolle.

Gelesen und empfohlen

Ode an den Odem

„Atmen: wie die einfachste Sache der Welt unser Leben verändert“ von Jessica Braun – empfohlen von Liane Völlger (Bibliothekarin)

Laut Dreier-Regel kann ein Mensch drei Wochen ohne Nahrung, drei Tage ohne Wasser, aber nur drei Minuten ohne Sauerstoff überleben. Atmen ist eine der wichtigsten Körperfunktionen und wird dennoch von vielen als selbstverständlich erachtet, bis sie einem wegbleibt, die Luft. Jessica Braun spürt dem ersten Atemzug im Kreißsaal nach, lässt den eigenen Atem analysieren, meditiert mit einem indischen Guru, geht auf Tauchstation mit Apnoetauchern und schaut einer Domina zu, wie diese ihrem Kunden durch das Abdrücken der Luft höchstes Vergnügen bereitet. Detailreich zeigt die Autorin, wie wir mit den richtigen Atemtechniken Körper und Geist beeinflussen und so unser Leben verändern können.

Ein informatives und dennoch kurzweiliges, mit Alltagsgeschichten gespicktes Buch über ein lebenswichtiges Thema. Nicht das Atmen beim Lesen vergessen!

1 CD DAISY (11:23), Ausleihe 49858

Technik getestet

Was auf die Ohren – Die richtigen Lautsprecher für den Computer finden

Ein Beitrag von Katja Löffler (Stiftung Centralbibliothek für Blinde, Hamburg)

Für mich als blinde Nutzerin sind die Lautsprecher eine extrem wichtige Komponente an meinem PC – vor allem wegen der Sprachausgabe, die für die Arbeit am Rechner unverzichtbar ist. Als Musikliebhaberin höre ich aber auch gerne mal Musik per Internetradio, Spotify oder andere Musikquellen. Ob privates Hörspielhören oder effektives Arbeiten im Homeoffice: Für beides nutze ich momentan regelmäßig meinen privaten Computer. Ein guter Zeitpunkt, um mal zu schauen, welche Lautsprecher sich für meine Bedürfnisse am besten eignen. Kein ganz einfaches Unterfangen, wie sich schnell zeigen sollte.

Klarheit schaffen

Um mir klar zu werden, wonach genau ich suchte, stellte ich mir folgende Fragen:

Wieviel Stellplatz für Lautsprecher habe ich?

Wieviel Geld möchte ich ausgeben?

Welche Lautsprechersysteme gibt es?

Für welchen Einsatzzweck sollen sie geeignet sein?

Was genau sollen sie abspielen?

Brauche ich Zusatzfeatures an den Lautsprechern, wie Lautstärkeregler, Kopfhöreranschluss, Klangregelung, weitere zusätzliche Anschlüsse etc.?

Mir war wichtig, dass sie sich vor allem gut für die Wiedergabe von Sprache eignen. Wenn man konzentriert und stressfrei mit einem Screenreader arbeiten will, darf die Sprachausgabe nicht dröhnen. Außerdem sollten auch Hörbücher und Hörspiele, Musik sowie hin und wieder ein Fernseh-Stream gut damit klingen.
Nun habe ich lediglich Platz für ein kleineres 2.0-System auf dem Schreibtisch, also zwei einfache Lautsprecher. Auch eine kleinere Soundbar wäre noch denkbar. Ein 2.1-System mit einem zusätzlichen Subwoofer für eine Extraportion Bass passt bei mir nirgends hin.

Die Suche

Die Auswahl an Lautsprechersystemen speziell für den Computer ist groß und unüberschaubar. Das Angebot erweitert sich noch, wenn man sich zusätzlich im Bereich der Studiomonitore umsieht – nicht verwirren lassen, auch das sind Lautsprecher und keine Bildschirme. Studiomonitore kommen ebenfalls in Betracht, weil sie gerade im Audiobereich sehr präzise arbeiten.
Meist sind das sogenannte Nahfeldmonitore, deren Klang darauf ausgelegt ist, nah davor zu sitzen, was sich generell gut zum Arbeiten eignet.
Normale PC-Lautsprecher hatte ich schon einige und da ich auf guten Klang sehr viel Wert lege, sah ich mich bei den Studiomonitoren einmal genauer um.

Die Auswahl bleibt groß

Hier muss man wissen, dass Studiomonitorboxen häufig einzeln verkauft werden, auch, wenn man zwei davon benutzen möchte. Sie besitzen jeweils eine eigene Steuereinheit, über die man das genaue Finetuning für die entsprechende Arbeit vornehmen kann.
Wenn man es so präzise nicht braucht, gibt es aber auch in diesem Bereich aktive Desktopmonitore, die als Paar erhältlich sind und aus einer aktiven Master-Box und einer passiven Slave-Box bestehen. Das heißt, die aktive Master-Box steuert auch die passive Slave-Box, die mit ihr per Kabel verbunden ist, so, wie man das von üblichen PC-Lautsprechern kennt.

Meine Wahl

Fündig wurde ich schließlich mit den Eris E3.5 BT Studiomonitoren der amerikanischen Firma Presonus, die sich bereits einen Namen im Bereich Studiotechnik gemacht haben.
Zu dieser Entscheidung verhalfen mir die vielen tollen Features der Lautsprecher. Die Masterbox hat an der Front einen Kippschalter zum Ein- und Ausschalten, einen Lautstärkeregler, sowie jeweils einen Miniklinke-Kopfhörerausgang und einen Aux-In-Anschluss. An der Rückseite finden sich neben weiteren zusätzlichen Anschlüssen zwei Regler zur Klangregelung für Bässe und Höhen, sowie ein kleiner Pair-Button zum Verbinden von Bluetooth fähigen Geräten. Die Anschlussmöglichkeiten sind also äußerst vielfältig.
Nicht zuletzt überzeugte und begeisterte mich vor allem aber der hervorragende und präzise Klang. Die kleinen Maße von nur 162 x 141 x 210 mm (T x B x H), hört man ihnen nicht an, sie klingen größer als sie sind.

Fazit

Wer nicht so viel Platz auf seinem Schreibtisch hat, trotzdem aber Wert auf guten und präzisen Sound für ein kleines Budget legt, für den sind die Presonus Eris E3.5 BT ein echter Geheimtipp. Wer auf Bluetooth-Unterstützung verzichten kann, für den gibt es die Lautsprecher auch ohne dieses Feature. Die Eris-Reihe von Presonus umfasst zudem noch weitere größere Brüder der kleinen E3.5.
Die etwas größere Eris E4.5 BT habe ich ebenfalls getestet, mich aber letztlich für die kleinere Box entschieden, weil diese meinen Ansprüchen vollkommen genügte.
Die Ausstattung der beiden ist identisch. Das Klangbild der größeren Lautsprecher ist durch den größeren Tieftöner natürlich etwas wuchtiger und großflächiger, während die kleinen leicht kompakter klingen.

Detaillierte Informationen und Daten über die Eris E3.5 finden sich auf den Internetseiten des Herstellers (www.presonus.com/produkte/de/Eris-E35-BT), ebenso über die Eris E4.5 und dessen weitere Produkte.

Zum Gedenken

Reinhard Kehl, Redakteur der „Schachbrücke“

Nachruf von Susanne Siems

Mathematiker sind oft gute Musiker, sagt man. Ich weiß nicht, ob das wahr oder nur Volksglauben ist. Ich weiß, dass er die Logik der Mathematik liebte und gern im Chor sang, dass er am Wochenende die Fußballergebnisse genau verfolgte und seit seiner Kindheit mit dem Schachspiel verbunden war. Reinhard Kehl starb am 13. Dezember 2020 im Alter von 83 Jahren.

Als sehbehinderter Sohn des Bürstenmachermeisters Kurt Kehl 1937 in Halle an der Saale geboren, erlebte er, wie so viele im damaligen Deutschland, eine schwierige Kindheit. Die Liebe zu den Naturwissenschaften, der Spaß am Denken mögen ihm da Halt gegeben haben. Schon damals musste seine um ein Jahr jüngere Schwester bei ihm das Schachspielen lernen, denn viele Spielpartner gab es zu jener Zeit sicher noch nicht.

Das sollte sich später ändern. Nach seinem Lehrerstudium unterrichtete er viele Jahre an der Helmholtz-Schule in Halle, der damaligen Sehschwachenschule, als Lehrer für Chemie und Mathematik. Auch da war ihm das Schachspiel sehr nah und besonders lag ihm am Herzen, junge Spieler zu fördern und ihr Interesse zu wecken. Von Anfang an ging es auch um Blindenschach. Und so war es nur folgerichtig, dass die damalige Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig Reinhard Kehl bat, die Redaktion der Braillezeitschrift „Die Schachbrücke“ zu übernehmen. Damals, das heißt 1978. Mit dem Heft Nummer 7 löste Reinhard Kehl den Berufsschul- und Schachlehrer Fritz Paech aus Chemnitz als Redakteur ab. Über mehr als zwei Jahrzehnte steckte Reinhard Kehl einen nicht geringen Teil seiner Energie in das Redigieren dieser Fachzeitschrift. In den DZB-Nachrichten aus dem Jahr 2000 ist – anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der „Schachbrücke“ zu lesen, dass er das Profil der Zeitschrift maßgeblich änderte, „indem er der Schachtheorie und dem praktischen Material noch mehr Platz einräumte“.

Dabei war die Redaktion der Schachzeitschrift nur ein Teil von Reinhard Kehls initiativreicher Arbeit für den Blindenschachsport. Schon in der DDR ehrenamtlich im Blindenschach tätig, war er nach der Wende acht Jahre zweiter Vorsitzender im Deutschen Blindenschachbund. An vielen nationalen und internationalen Wettkämpfen hat er mit Erfolg teilgenommen. Immer lagen dem Lehrer aber auch die Kinder am Herzen. Und er betonte schon in den achtziger Jahren, was uns heute immer so wichtig ist. Schach ist ein, wenn nicht DER inklusive Sport für blinde und sehbehinderte Menschen, denn sie können problemlos gemeinsam mit Sehenden spielen und das schon seit vielen Jahrzehnten.

Heute, 2021, ist das Schachspielen etwas ins Abseits geraten, so scheint mir. Computer- und Handyspiele, auch für blinde und sehbehinderte Menschen, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Aber es gibt sie noch, die Fans, jung und alt, Männer und Frauen. Ich habe leider nicht mehr erfahren, was Reinhard Kehl darüber gedacht hat, dass sich seit ein paar Jahren wieder eine kleine Gruppe blinder und sehbehinderter Schachfreunde hier im Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen trifft.

Auch wenn wir Reinhard Kehl, einen warmherzigen und wachen Menschen, verloren haben, sein Vermächtnis, der Blindenschachsport, lebt weiter.

Fragebogen

Sechs Fragen – sechs Antworten

Mitarbeiter, Partner, auch Freunde des dzb lesen antworten auf unsere Fragen. Diesmal: Annette Diener (Brailleschrift-Großdruck-E-Book)

Was ist Ihre Aufgabe im dzb lesen?

Ich erstelle Bücher in Großdruck. Dafür bereite ich im Vorfeld Verlagsdaten auf und strukturiere diese. Besonderheiten eines Buches zeichne ich explizit aus, um sie bei Erstellung des Großdruckbuches mit sehbehindertengerechten Gestaltungsmerkmalen versehen zu können.

Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?

Für die Großdruckausgabe des diesjährigen Welttagbuches „Biber undercover“ fertige ich gerade Musterentwürfe an.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …

Rosensorten, Büchern und Yoga. Am meisten jedoch begeistern mich Langstreckenwanderungen in der Natur, von Ort zu Ort, quer durchs Land.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?

Meine Wanderfreunde, die Wanderausrüstung samt Zelt und eine gute Karte der Insel.

Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?

Ja, zuletzt habe ich Anne Webers Erzählung „Annette, ein Heldinnenepos“ begeistert gelesen. Derzeit höre ich Dörte Hansens „Altes Land“ als Hörbuch, mit Charme und Humor gelesen von Hannelore Hoger.

Ihr Lebensmotto?

Ich folge heute um so mehr meinem Herzen und lebe im Hier und Jetzt.

Rätsel

Machen Sie mit und gewinnen Sie!

Wir wollen wissen: Welcher Fantasy-Roman erscheint im dzb lesen ab Juni als Fortsetzungsreihe im Abonnement?

Schicken Sie Ihre Antwort bis 7. Mai 2021 per E-Mail (presse@dzblesen.de) oder per Post an: dzb lesen, Kennwort: Rätsel „in puncto dzb lesen“, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig.

Das können Sie gewinnen: einen Reliefkalender 2021 „Am Korallenriff“

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des dzb lesen können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auflösung aus 4/2020

Die richtige Antwort lautet: Felix Mendelssohn Bartholdy

Der glückliche Gewinner heißt: Gerd Widmann. Herzlichen Glückwunsch!

Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb

Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen)

Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

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„in puncto dzb lesen“ wird im Format HTML per E-Mail viermal im Jahr kostenfrei versandt und online unter www.dzblesen.de veröffentlicht. Kostenpflichtig erscheint die Zeitschrift wahlweise im Format DAISY als CD oder zum Download (dzb lesen-App und -Katalog) sowie in Blindenkurzschrift zu einem Jahresbezugspreis von 9 €. Das kostenpflichtige Abonnement gilt jeweils für ein Jahr ab Bezugsbeginn und verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn es nicht spätestens mit einer Frist von drei Monaten vor Ablauf des Bezugszeitraums gekündigt wird. Es gelten die AGB des dzb lesen, die vollständig unter www.dzblesen.de/agb einsehbar sind. Auf Wunsch senden wir die AGB gern zu.

dzb lesen 2021

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