Buchtipps für stürmische Herbsttage

Bald kommt wieder die Zeit, in der es draußen stürmt und regnet. Dann kuscheln wir uns in eine Decke und lesen bzw. hören spannende Krimis, fesselnde Historienschmöker und gute Romane. Hier sind schon einmal einige Buchempfehlungen für lange Abende im Herbst.

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Liv Winterberg: Im Schatten des Mangrovenbaums

Worum geht’s?

Sumatra im 19. Jahrhundert: Eine Dreiecksbeziehung, ein gestrandetes Schiff vor der Westküste Sumatras und eine gefährliche Odyssee durch den Dschungel der indonesischen Insel – das ist der Stoff, den Liv Winterberg gekonnt in Szene setzt. Lilian begleitet ihren deutlich älteren Ehemann Joseph, der Handelsagent ist, nach Singapur. Auch Josephs bester Freund Elliot reist als Botaniker zu Forschungsstudien mit.
In Singapur ist Lilian unglücklich und einsam. Ihr Mann arbeitet sehr viel und scheint ihr etwas zu verschweigen. Auf einer gemeinsamen Reise gerät das Schiff vor der Westküste Sumatras in Brand und Lilian, Joseph und Elliot retten sich gemeinsam mit den anderen Passagieren auf die Insel. Dort schlagen sich die drei auf einen deutlich gefährlicheren, aber kürzeren Weg, durch den Dschungel. Unter lebensgefährlichen Situationen kommen sich Lilian und Elliot näher. Lilian erweist sich als „Krisenmanagerin“ und hilft ihrem Mann, Vergangenes loszulassen.

Lesenswert, weil …

… dieser historische Schmöker vor dem Hintergrund einer farbenprächtigen indonesischen Insel spielt, die anschaulich mit allen Sinnen beschrieben wird. Die Autorin erzählt eine Liebesgeschichte im kolonialen Zeitalter des britischen Empires Anfang des 19. Jahrhunderts, die von überraschenden Wendungen und einem ungewöhnlichen Erzählstil geprägt ist.

4 Bände, Kurzschrift, Ausleihe 19378, Verkauf 10420, 48 Euro

Elif Shafak: Der Architekt des Sultans

Worum geht’s?

In der Blütezeit des Osmanischen Reiches, dem 16. Jahrhundert, reist ein indischer Junge namens Jahan mit einem weißen Elefanten nach Istanbul. Das Tier soll ein Geschenk seines Schahs für den Sultan sein. So öffnen sich für den aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Jungen die Tore des Sultanspalasts und er findet sich in einer Welt des Prunks, Überflusses und Reichtums wieder. Am Hof erlebt er Intrigen, Machtkämpfe und Verschwörungen und erfährt eine unerfüllte Liebe. Hier begegnet er auch dem berühmtesten Baumeister der islamischen Welt, dem Hofarchitekten Sinan, dessen Architektur auch heute noch Istanbul prägt. Dieser entdeckt das Talent Jahans für die Architektur und macht ihn zu seinem Schüler.

Lesenswert, weil …

... Elif Shafak in wunderbar epischer Breite erzählen kann und die Lesenden in eine magische, märchenhaft orientalische Welt mit prachtvollen Moscheen und Palästen entführt. Sie beschreibt nicht nur in einer bildhaften Sprache und sehr detailliert das multikulturelle Istanbul im 16. Jahrhundert, sondern erzählt auch eine warme und sehr gefühlvolle Vater-Sohn-Geschichte.

7 Bände, Kurzschrift, Ausleihe 17606

Tanja Kinkel: Götterdämmerung

Worum geht’s?

Bücherfreunde kennen Tanja Kinkel als Autorin historischer Romane. Mit „Götterdämmerung“ hat die Autorin jedoch einen packenden Thriller vorgelegt, in dem es um Pharmakonzerne, die Gefahren der Gentechnik, die CIA und einen investigativen Journalisten geht. Dieser heißt Neil LaHaye und stößt bei seinen Recherchen zum Thema Aids auf Victor Sanchez, der Wissenschaftler bei einem mächtigen Pharmakonzern und plötzlich spurlos verschwunden ist. Gemeinsam mit dessen Tochter Beatrice begibt sich der Journalist auf die Suche nach Sanchez und kommt einem skandalösen Verbrechen der Pharmaindustrie und des Pentagons auf die Spur. Dabei geht es um Biotechnologie, den genetischen Fingerabdruck, Wirtschaftsmächte und Genmanipulation.

Lesenswert, weil …

… das Buch einen Plot hat, der die Lesenden von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Auch wenn der eine oder andere Sachverhalt zu weit hergeholt und das Ende nicht ganz realistisch erscheint, hat die Autorin ausgezeichnet recherchiert und einen fesselnden Thriller plus Liebesgeschichte geschrieben. Wer sich für diese Thematik interessiert, wird von Tanja Kinkels Roman sicher nicht enttäuscht sein.

5 Bände, Kurzschrift, Ausleihe 11002

Dror Mishani: Drei

Worum geht’s?

Es geht um drei Frauen, einen Mann, und ein Verbrechen, das nicht im Vordergrund steht und erst am Ende des ersten der drei Kapitel ins Spiel kommt. Drei Frauen stecken in Beziehungs- und Lebenskrisen und suchen verzweifelt nach einem Ausweg aus ihrer Notlage. Da kommt ein und derselbe Mann, der Anwalt Gil, in ihr Leben und gewinnt ihr Vertrauen. Orna, der ersten Frau, die ihn über ein Dating Portal kennenlernt, gibt er sich charmant, unaufdringlich und bedacht. Emilia, der zweiten, einer lettischen Pflegekraft seines Vaters, stärkt er ihr Selbstbewusstsein und hilft ihr einen Job zu finden. Ella, der dritten Frau, die verheiratet ist und drei Kinder hat, nähert er sich kumpelhaft. Über Gil, den Anwalt, legt Mishani die ganze Gefühlswelt der drei Frauen offen und hält am Schluss eine überraschende Pointe bereit.

Lesenswert, weil …

… der Krimi und Detektivroman raffiniert gebaut ist, weil er außer die drei Frauen auch die Leserinnen und Leser hinters Licht führt und immer wieder verblüfft. Die Spannung wird weniger über die Aufklärung des Verbrechens (das hier nicht verraten werden soll) erzeugt, viel mehr, weil lange Zeit offen bleibt, wie die Begegnungen der Frauen mit Gil ausgehen.

1 CD DAISY (08:24 h), Ausleihe 49760
Sprecher: Franz Dinda, Westdeutsche Blindenhörbücherei e.V.

A. L. Kennedy: Süßer Ernst

Worum geht’s?

Es ist die schüchterne Annäherung zweier einsamer und frustrierter Menschen in der Großstadt London, die sehnsuchtsvoll nach Liebe und Anerkennung suchen. Da ist Jon, 59 Jahre, ein hoher Staatsbeamter, dessen Aufgabe es ist, die Politik schön zu reden. Damit kommt er immer weniger zurecht und auch privat – er ist geschieden und hat eine Tochter – läuft einiges schief. Sein Schreibtalent setzt er privat ganz anders um: Er schreibt in einer Art Abonnement und unter einem Pseudonym Liebesbriefe an einsame Frauen. Meg gehört zu diesen Frauen. Sie ist 40 Jahre alt, ehemalige Wirtschaftsprüferin, seit einem Jahr trockene Alkoholikerin, die jetzt in einem Tierheim arbeitet. Meg sucht nach dem Unbekannten, dessen Briefe sie beeindrucken und schreibt ihm zurück. Nach vielen Briefen und einem kurzen, sehr intensiven Treffen, verabreden sich beide. Doch erst spät am Ende des für beide chaotischen Tages finden sie zueinander.

Lesenswert, weil …

… wir uns alle – mehr oder weniger – nach Zuneigung, Respekt und Freundlichkeit sehnen. A. L. Kennedy erzählt abwechselnd aus Megs und Jons Perspektive von den Geschehnissen eines Tages und legt in deren inneren Monologen Gedanken, Zweifel und Gefühle zweier gestresster Menschen offen. Eine Geschichte, die sehr nahe geht und zum Nachdenken anregt!

1 CD DAISY (18:20 h), Ausleihe 48661,
Sprecherin: Gisela Scherner, Westdeutsche Blindenhörbücherei e.V.

Nobert Scheuer: Winterbienen

Worum geht’s?

Egidius Arimond ist Imker. Er liebt seine Bienen und die Frauen. Deren Männer kämpfen an der Front des Zweiten Weltkriegs. Arimonds Epilepsie, wegen der er seine Anstellung als Lateinlehrer verlor, verschont ihn nun davor, als Soldat in den Krieg ziehen zu müssen. Er führt ein ruhiges Leben, versorgt seine Bienen, schreibt Tagebuch, übersetzt lateinische Schriften und hat einige Affären.
Doch als 1944 immer öfter britische und US-amerikanische Bomber über dem Städtchen Kall in der Eifel kreisen und dem Imker die Freude am Summen seiner Bienen verderben, wird auch Arimonds Leben gefährlicher. Denn, was keiner weiß, er versteckt jüdische Flüchtlinge in einem stillgelegten Stollen und schmuggelt sie in seinen Bienenkörben über die belgische Grenze. Doch nicht aus moralischen Gründen begibt er sich in so eine Gefahr. Er braucht das Geld der Geflüchteten, um die Medikamente gegen seine epileptischen Anfälle bezahlen zu können. Diese werden, als der Krieg auch das Städtchen Kall erreicht und die Versorgung einbricht, immer rare. Arimonds epileptischen Anfälle kehren zurück und er ist immer verzweifelter. Schließlich wird er bei der Gestapo denunziert.

Lesenswert, weil …

… der Roman unter die Haut geht und man die ambivalente Hauptfigur so schnell nicht wieder vergessen kann. Seine intensive Wirkung erzeugt der Roman auch, weil die Tagebucheinträge des Imkers unmittelbar und chronologisch erzählen, wie eine friedlich geordnete Welt durch den Krieg in Chaos zerfällt. Scheuer kann alles: sowohl einfühlsam über das Leben der Bienen, als auch nüchtern über das Kriegsgeschehen berichten, die Landschaft der Eifel beschreiben, als auch über das Leben eines Benediktinermönches im Mittelalter erzählen.

1 CD DAISY (06:59 h), Ausleihe 49846,
Sprecher: Günter Schoßböck, (dzb lesen)

Tereza Vanek: Das Geheimnis der Jaderinge

Worum geht’s?

Es ist ein Buch über das China im 19. Jahrhundert und einen kaum bekannten Teil seiner Geschichte: den Taiping-Aufstand, ein durch eine christliche Sekte ausgelöster Aufstand gegen die Herrschaft des chinesischen Kaisers. Vor dem Hintergrund dieses historischen Ereignisses erzählt die Autorin die Geschichte Viktoria Virchows aus Hamburg, die nach Ruin und Selbstmord des Vaters, nach China auswandert, um als Gesellschafterin bei einer alten englischen Dame zu arbeiten. Dort kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur. Doch ihre Nachforschungen um Andrew, dem ältesten Sohn der Familie, der während des Taiping-Aufstandes verschwand, muss sie jäh abbrechen, weil ihr gekündigt wird. So nimmt sie in Peking bei einem reichen Chinesen eine neue Stelle an und begegnet dem Akrobaten Jinzi, zu dem sie sich hingezogen fühlt, und seiner Mutter Yazi, einer ehemaligen Taiping-Soldatin, die ihre Freundin wird. Gemeinsam suchen sie nach einer Spur von Andrew und erkennen, dass ihre Suche unerwartete Widerstände hervorruft und für sie voller Gefahren steckt.

Lesenswert, weil …

... der Roman Auswandersaga, Liebesgeschichte und vor allem eine Geschichte ist, die das historische China im 19. Jahrhundert widerspiegelt. Die Autorin hat sehr gut über den Taiping-Aufstand recherchiert. Alle Lesenden, die mehr als Herz und Schmerz mögen und jede Menge über das historische China erfahren möchten, sind mit diesem Roman bestens beraten. Ein fesselnder historischer Schmöker!

1 CD DAISY (22:27 h), Ausleihe 26572,
Sprecherin: Sylke-Kristin Deimig (dzb lesen)

Anselm Oelze: Wallace

Worum geht’s?

Die ganze Welt kennt Charles Darwin, Alfred Russel Wallace hingegen ist kaum bekannt. Dabei hat der Naturforscher zeitgleich mit Darwin eine Theorie über die Abstammung der Arten aufgestellt. Sein Pech war allerdings, dass er Darwin von seinen Ideen schrieb und es diesem gelang, sein Buch vor dem Wallaces zu veröffentlichen. So wurde Darwins Evolutionstheorie zu einer weltweiten Sensation und von Wallace sprach niemand. Bildhaft und sehr atmosphärisch erzählt Oelze zum einen vom Forscherleben Wallaces auf den indonesischen Molukken, zum anderen vom Museumswächter Bromberg aus unseren Tagen, dem eines Nachts ein Buch mit dem Foto des Naturforschers vor die Füße fällt und der beschließt, den bescheidenen Wallace ins rechte Licht zu rücken …

Lesenswert, weil …

...der Roman den Nachweis erbringt, dass Ruhm und Erfolg immer auch vom notwendigen Glück abhängen. Ein spannender Roman mit Abenteuerfeeling und einer Story vor einer schwülwarmen Regenwald- und muffigen Museumskulisse.

1 CD DAISY (07:54 h), Ausleihe 47538,
Sprecher: Peter Pruchniewitz, Peter (Bayerische Blindenhörbücherei e.V.)